Foto: Jana Zoricic

Das Coronavirus in der Fahrradwelt

Ein kleiner Überblick aus Sicht der Zweiräder

Es begann mit der Absage von Großver­anstal­tun­gen, jet­zt gibt es in eini­gen Län­dern bere­its grundle­gende Aus­gangssper­ren. Die Maß­nah­men zur Eindäm­mung des Coro­n­avirus ver­schär­fen sich täglich. Hier gibt es einen kleinen Überblick über die Entwick­lun­gen der let­zten Wochen und welche Auswirkun­gen das auf die gesamte Fahrrad-Sai­son 2020 haben wird.

Der Anfang: die ersten Events werden abgesagt

Es begann mit der Cycling­world Düs­sel­dorf, danach fol­gte eine Art Domi­no­ef­fekt: viele Fahrradmessen und Events wur­den abge­sagt oder ver­schoben. Was auch völ­lig ver­ständlich ist, schließlich sind Fahrradmessen eben­so größere Men­schenansamm­lun­gen wie Konz­erte oder Par­tys. Und diese erst­mal einzudäm­men, ist die richtige Entschei­dung. Aktuell sind in Bun­deslän­dern mit mehreren Coro­na-Fällen Men­schenansamm­lung mit über 50 Per­so­n­en ver­boten – voraus­sichtlich bis zum 20. April. Das bedeutet, dass auch Schwimm­bäder, Restau­rants und viele weit­ere Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Hof­fen wir, dass diese Maß­nah­men die Ansteck­ungskurve nach­haltig abflacht! Das ist der aktuelle Stand unser­er geplanten Events:

  1. Cycling­world Düs­sel­dorf – abge­sagt
  2. VELOBer­lin – abge­sagt (vor­erst)
  3. Bike Fes­ti­val Freiburg – ver­legt auf 25. – 27. Sep­tem­ber 2020
  4. BIKE Fes­ti­val Will­in­gen – ver­legt auf 21. – 23. August 2020
  5. Dirt­mas­ters Win­ter­berg – ver­legt auf 18.–20. Sep­tem­ber 2020

Die Konsequenz: keine Rennen für die Weltspitze

Alle Profis der Fahrrad­welt, von Cross Coun­try bis Down­hill haben mit den Hufen geschar­rt, denn die Sai­son 2020 stand vor der Tür. Und wir hat­ten uns alle auf ein biss­chen Ablenkung für die neuge­wonnene Zeit Zuhause gefreut. Doch als die ersten europäis­chen Län­der Ver­bote für Men­schenansamm­lun­gen von über 5000 Per­so­n­en aussprach, ent­stand erst­mal ein großes Frageze­ichen.

Wann der Moun­tain­bike-Weltcup Zirkus 2020 wieder rundge­hen wird, ist aktuell unklar. Foto: Red Bull Con­tent Pool

Kön­nen die Ren­nen dann ohne Zuschauer stat­tfind­en? Ist der Rennzirkus allein schon eine so große Men­schenansamm­lung? Diese Entschei­dung wurde uns von den Organ­isatoren viel­er Ren­nver­anstal­tun­gen abgenom­men: der Saison­start 2020 ist bis auf Weit­eres ver­schoben. Mit­tler­weile sind in vie­len Län­dern Ansamm­lun­gen von über 49 Per­so­n­en ver­boten. Diese Ren­nen wur­den schon abge­sagt:

  • Down­hill World Cup Lousa, Por­tu­gal
  • Cape Epic Stel­len­bosch, Südafri­ka
  • Enduro World Series #1 in Chile & #2 in Kolumbi­en
  • Alle nationalen Radren­nen in DE bis 20. April
  • Strade Biance, Ital­ien

Beson­ders hart trifft es die olymp­is­chen Rad­sportarten: die UCI hat die Qual­i­fika­tion für Olympia diesen Som­mer aus­ge­set­zt. Welche Fol­gen das für Olympia selb­st haben wird, kann bis jet­zt noch nie­mand abse­hen.

Tourismus-Regionen abgeriegelt

Na gut, Messen besuchen und Ren­nen guck­en kön­nen wir erst­mal nicht, wie wäre es dann mit ein­er entspan­nten Woche im Bike-Urlaub? Auch das ist aktuell nicht zu empfehlen.

Da Nordi­tal­ien schon von Anfang an als Risiko­zone abgeriegelt wurde, kön­nen beliebte Regio­nen für das Früh­jahrstrain­ing wie Finale Lig­ure (Lig­urien) oder Mas­sa Marit­ti­ma (Toskana) nicht mehr besucht wer­den. Auch Frankre­ich, Spanien, Schweiz und Öster­re­ich sind mit­tler­weile Risiko­ge­bi­et, sodass auch die Auswe­ich­möglichkeit­en nicht empfehlenswert sind. Das Ren­nrad-Train­ing auf Mal­lor­ca sollte man eben­falls nochmal über­denken.

Aostatal
Foto: Sebas­t­ian Beil­mann

Abge­se­hen von Ital­ien kön­nte man dort zwar immer noch anreisen, schließlich fahren wir ja im Wald oder auf den Straßen, wo man nur weni­gen Men­schen begeg­net, oder? An dieser Stelle wollen wir kurz an den gesun­den Men­schen­ver­stand appel­lieren: wir Rad­fahrer, egal welch­es Fahrrad, sind haupt­säch­lich gesunde und fitte Men­schen, denen so ein Virus nichts anhab­en kann.

Aber auch wir begeg­nen in unserem All­t­ag Risiko­grup­pen, die so eine Infek­tion nicht ein­fach so weg­steck­en kön­nen, weil sie ein geschwächt­es Immun­sys­tem haben. Denkt also an eure Mit­men­schen. Je vernün­ftiger wir jet­zt sind, desto schneller kön­nen wir wieder Bike-Urlaub machen!

Notstand & Ausgangssperren in vielen europäischen Ländern

In europäis­chen Län­dern wie Frankre­ich und Spanien, in denen es in kurz­er Zeit sehr viele Ansteck­un­gen gab, wurde der Not­stand aus­gerufen. Das bedeutet, dass man nur für leben­snotwendi­ge Besorgun­gen und seinen Arbeitsweg das Haus ver­lassen darf. Emp­fohlen wird aber, wenn möglich von Zuhause zu arbeit­en. Das bedeutet auch: mal eben eine Runde mit dem Rad an die frische Luft geht nicht.

Die Aus­gangssper­ren in Spanien und Frankre­ich gel­ten seit dem 16. bzw. 17. März und sollen vor­erst für 2 Wochen aufrecht erhal­ten wer­den. Im Coro­na-Livet­ick­er der Süd­deutschen Zeitung kann man die Entwick­lung der Maß­nah­men weltweit, sowie in Deutsch­land und Europa, sehr über­sichtlich beobacht­en. Auch auf MTB-News gibt es einen Coro­na-Tick­er der regelmäßig über aktuelle Nachricht­en aus der Fahrrad­welt berichtet.

Und die Industrie?

Bis jet­zt sah die Lage noch akzept­abel aus: die Lager sind voll, der Fahrrad­markt boomt weit­er­hin. Doch viele Her­steller haben ihre Pro­duk­tion­sstät­ten in Chi­na – und dort ste­hen seit Aus­bruch des Coro­n­avirus viele Fab­riken still. Das bedeutet, wenn Nach­schub nötig wird, die Lieferzeit­en deut­lich länger wer­den. Und dann wird es kri­tisch. Aktuell (Stand 18. März 2020) nehmen die ersten Fab­riken in Chi­na ihre Arbeit langsam wieder auf – wann sich die Lage dort wieder nor­mal­isiert hat, kann aber zu diesem Zeit­punkt nie­mand sagen. Während­dessen wer­den in Europa erste Fab­riken geschlossen und immer mehr Ver­samm­lungsver­bote ver­hängt.

Auch die vie­len Messen sind Dreh- und Angelpunkt für Net­zw­erke und Kom­mu­nika­tion, die jet­zt weg­fall­en. Zwar lässt sich vieles durch dig­i­tale Lösun­gen erset­zen, Dinge wie echter Kun­denkon­takt aber nicht. Und von Kun­denkon­takt lebt jed­er Bikeshop um die Ecke, jede Fahrtech­nikschule und jed­er Shut­tle-Ser­vice. Fahrradgeschäfte müssen schließen und kön­nen keine Kun­den mehr betreuen. In manchen Fällen kann aber noch tele­fonisch oder per Mail einen Werk­statt-Ter­min vere­in­baren. Frag ein­fach bei deinem Händler vor Ort nach. Langfristig bedeutet das aber: die Nach­frage sinkt und wird mit der Zeit auch bei den Her­stellern ankom­men. Wann genau das sein wird, ist noch nicht abse­hbar. Fest ste­ht aber: die Fol­gen ste­hen uns erst bevor.

Wir als kleines Online-Mag­a­zin hinge­gen haben jet­zt noch mehr zu tun: euch allen Zuhause die Zeit mit guten Geschicht­en vertreiben. Wir wer­den unser Bestes geben, ver­sprochen!

Bleib einfach Zuhause!

Not­stand haben wir hier in Deutsch­land zwar noch nicht, aber die Maß­nah­men wer­den auch hier täglich ver­schärft. Die aktuellen Vor­gaben des Gesund­heit­samtes find­est du hier. Deswe­gen nochmal das Stich­wort Men­schen­ver­stand: wenn du trotz­dem unbe­d­ingt aufs Rad steigen willst oder musst: pack’ höch­stens deinen Part­ner oder besten Kumpel ein – oder geh’ am besten alleine. Per Live-Ver­fol­gung auf Stra­va oder What­sApp muss sich auch kein­er Sor­gen darüber machen, dass du irgend­wo im Graben veren­d­est.

Aber wie du dir vielle­icht denken kannst, ist auch das keine gute Idee: unser Gesund­heitssys­tem läuft aktuell auf Anschlag! Pflegekräfte, Ärzte, Kranken­schwest­ern und Ret­tungssan­itäter haben alle Hände voll damit zu tun, bere­its Erkrank­te zu ver­sor­gen. Willst du da wirk­lich mit deinen Blessuren von dein­er let­zten Fahrrad­tour auf­tauchen? Und das The­ma, wen du eventuell unwissentlich ansteck­en kön­ntest, hat­ten wir ja bere­its.

Einen besseren Zeit­punkt, alle dig­i­tal­en Möglichkeit­en des 21. Jahrhun­derts durchzupro­bieren, gibt es nicht. Foto: Zwift

Aber keine Sorge, wir wollen dich mit dein­er Langeweile nicht im Stich lassen. Wir wer­den dir im zweit­en Teil unser­er Coro­na-Info-Serie einige Tipps zusam­men­tra­gen, wie du deine Zeit Zuhause ver­brin­gen kannst.