Foto: WTB

Diese 4 Gravel-Typen musst du kennen.

…ein bisschen Wahrheit zum Schmunzeln.

Kein Tag ohne Grav­el — so geht es mir jeden­falls, wenn ich in die Fahrrad­welt blicke. Ob beim Shop­pen oder dem Lesen im Bere­ich Fahrrad – ich komme an „Grav­el“ und ihren Typen nicht vor­bei. Kein­er kommt vor­bei. Ob man es dann gut find­et, ist eine andere Sache.

Und dann war da noch die Entrüs­tung: ich meinte zu einem bepack­ten Bikepack­er: „…schick­es Grav­el­rad hast du…“. Sofort durfte ich ler­nen: „das ist ein speziell ange­fer­tigtes Bikepack­ing Rad“. Ich wollte mich da jet­zt nicht weit­er dis­qual­i­fizieren und hielt ein­fach die Klappe. Aber ich hat­te einen Vor­satz: was unter­schei­det die Gemeinde in dieser Grav­el­welt?

1. Bikepacker

die Wirk­lichen und Wahren… ja was eigentlich?

Wer sein kleines Aben­teuer abseits des Büros­tuhls in der freien Natur sucht, erledigt dies sehr ein­fach mit dem Rad. Er wird Bike Pack­er. Der Bike Pack­er hat alles dabei und braucht deshalb auch keine Unterkun­ft zu buchen, und schon gar nicht vorzubuchen, was sehr ver­pönt scheint.

Der Bikepack­er hat alles dabei und ist für jede Sit­u­a­tion gewapp­net.

Er trotzt dem miesen Wet­ter nächtlings mit Tarp oder Zelt. Dem Hunger schleud­ert er seine Min­i­mal­is­mius-Küche und Out­door-Tüten­fut­ter gierig ent­ge­gen. Sollte es über Tag reg­nen, wer­den die Nässe mit­tels high­tech Mem­bra­nen weg­foliert.

Unab­hängigkeit und Natur­erleb­nis – das ist der Lohn des Bikepack­ers beim Radeln mit dem Grav­el­bike in der Natur.

2. Gravelbiker

Ren­n­fahrer auf Schot­ter

Ent­standen soll der ganze Spaß ja in den USA sein. Was ich auch glaube. Der Amerikan­er an sich fährt gerne mit dem Ren­nrad, aber was tun, wenn es keine asphaltierten Straßen mehr gibt? So ist das näm­lich in vie­len Gegen­den der USA: nix Asphalt, nur Schot­ter.

Der Ami, ein find­i­ger Genosse, pack­te die dick­sten Reifen auf seine Ren­n­feile und ab ging die Post auf der Schot­ter­straße. Dick war nicht dick genug. Der Rah­men musste mehr Reifen­frei­heit liefern, denn son­st war es mit dem Kom­fort und den Plat­tfüßen eher „pain in the ass“ als „Spaß in Tüten“. Wenn man schon mal auf Schot­ter Hochgeschwindigkeit fährt, dann aber bitte mit Disc-Brakes und getun­ten Lenkern.

Den Ren­n­fahrer in sich kann der Grav­el­bik­er nicht vol­lkom­men ignori­eren.

So aus­ges­tat­tet tut der Grav­el­bik­er, was ein Grav­el­bik­er tun muss: schnell und/oder lang fahren und Grav­el Ren­nen gewin­nen. Und wenn es das Ren­nen gegen sich sel­ber ist.

Ja, das ursprüngliche Habi­tat dieser entwick­el­ten Spezies ist der Rennstall, dem man die Straße geklaut hat. Aber die Gene eines Ren­n­fahrers find­en ihren Weg und sei es auf Schot­ter.

Der Unter­schied aber zum Ren­n­fahrer offen­bart sich im Ziel: es geht nicht als erstes zum Siegertrep­pchen oder zur Mas­sage, son­dern zu den Kumpels, im Besten Fall an die Theke. Das Erlebte ist das The­ma, nicht die Platzierung. Auch wenn ein Platzierung auf dem Trep­pchen zu einem schö­nen Erleb­nis wer­den kann. 

Eins der wohl berühmtesten Grav­el-Rennse­rien: Grinduro.

Weltweit ver­streut find­en sich Ren­nen: Kana­da, Tschechien, Schot­t­land, Island, USA, Bel­gien, Eng­land, Frankre­ich, Ital­ien, USA, Deutsch­land oder Däne­mark erfreuen den Grav­el-Rac­er mit Ver­anstal­tun­gen. Streck­en von 60 bis über 200 km länge wollen mit bis zu 2500 Höhen­meter bewältigt wer­den. Schnell fahren: ja. Bess­er als der Kol­lege: joa. Draußen abseits vom infra­struk­turellen Getöse: auf jeden Fall. Schwitzen in relax­ter Atmo­sphäre.

3. Rad-Touristiker

..die zweite Abgren­zung des Bikepack­ers.

Ist der Grav­el­bik­er für den Bikepack­er zu viel Ren­n­fahrer, ist der san­fte Rad-Touris­tik­er zu wenig Aben­teur­er. Alles immer dabei zu haben heißt: bere­it zu sein, mehr und größere Taschen zu schlep­pen. Der Kom­fort nach der Fahrt wird gerne mit höheren Schleppgewicht und weniger Speed bezahlt.

Manch­mal zählt das Erleb­nis und nicht die Strecke – und das ist auch gut so.

Der Donau­rad­weg mit Pen­sions-Hop­ping z.B., ist das kom­fort­able Aben­teuer Revi­er des Rad-Touris­tik­ers. In diesem Revi­er entste­ht der Genuss dieser Spezies durch bepack­te Entschle­u­ni­gung auf lan­gen Dis­tanzen.

Dies alles gekop­pelt mit der Garantie, die Anstren­gung immer wieder mit kuli­nar­ischen Won­nen und dau­ni­gen Bet­ten­lagern zu betäuben, lässt diesen Vielfahrer zu beacht­enswerten Leis­tun­gen und Erleb­nis­sen radeln.

4. Welten-Reisende

…der Aben­teur­er Max­imus

Unter den Erleb­nis- und Ein­druck-Suchen­den taucht eine weit­ere Macht auf: der Wel­ten-Reisende. Was soll ich sagen: voll Respekt! 

Sein Bike muss hal­ten. Passiert doch was, sollte es auch in der tief­sten Wüste ein­fach zu fix­en sein. Design­prinzip “Form fol­gt Funk­tion“ gilt für den Staub Afrikas genau­so wie in Dschun­gel­ge­bi­eten Südamerikas.

Höher, schneller, weit­er! Am Ende lan­det man dann auf den Faroe Inseln, wie Paul Erring­ton. Foto: Chris McClean

Max­i­male Hand­lungs­fähigkeit in allen Lebensla­gen wird mit größtem Pack­vol­u­men erkauft. Kör­per­liche Stra­pazen wer­den mit den Erleb­nis­sen, Erfahrun­gen und Ein­sicht­en aus­geglichen. 

Wie kön­nte so eine Reise ausse­hen? Hier kannst du dir eine Geschichte von den Färöer Inseln durch­le­sen.

Bonus: Cyclocross

…Tra­di­tion im Schlamm

Ein rasiertes sehniges Bein vor meinem inneren Auge spricht: was soll der ganze Sch…?

Seit ewig, also über 100 Jahren, gibt es doch Cyclocross, oder Quer­feldein, wie man zu Zeit­en Rolf Wolf­shols (1960, 1961 und 1963 Quer­feldein-Welt­meis­ter) sagte. (1973 und 1976 erk­lomm Klaus-Peter Thaler den Welt­meis­terthron, den dann Mike Kluge 1992 bestieg).

Heute ist die Cyclocross Hochburg das Pommes- und Bier­land Bel­gien. Nir­gends son­st wer­den Rad­fahrer so gefeiert wie in bel­gis­chen Kneipen.

Um Matsch, Geschwindigkeit und Geschick geht es beim Cyclocross.

Damit wir heute doch noch etwas ler­nen, hier im Blitzver­fahren, was Quer­feldein aktuell ist. Cyclocross (kurz CX) wird im Herb­st und Win­ter auf rel­a­tiv kurzen Rund­kursen gefahren, die mehrfach bewältigt wer­den. Diese sind bis zu 3 km lang, wer­den über­all aus­gesteckt, auch da, wo mal ger­ade kein Weg ist.

Und damit es noch span­nen­der wird, wer­den Hin­dernisse einge­baut. Am lieb­sten vor lan­gen, schlam­mi­gen Anstiegen, damit der „Cross­er“ absteigen muss, um dann mit seinen Rad­schuhen und geschul­tertem Bike einen schlam­mi­gen Hang hoch zu ren­nen.

Schau dir das CX-Spek­takel mal an – Span­nung garantiert!

Die Qual der Pro­tag­o­nis­ten – eine Freude für den Zuschauer. Alles hat ein Ende, auch ein solch­es Ren­nen: die offiziellen Regeln der Rad-Föder­a­tio­nen sehen Ren­nen bis max­i­mal 60 Minuten vor, abhängig von Klasse, Alter und Geschlecht.

Viele Worte – kurzer Sinn

Grav­el als ein einziges Phänomen gibt es nicht. So gibt es auch nicht DEN Grav­elfahrer. Was es gibt: ein Bike mit leicht mod­i­fiziert­er Ausstat­tung. Das Grav­el Bike ist die Wahl der Rad-Fans, um ihren Bedürfnis­sen zu fol­gen. Bike Pack­er, Grav­el Rac­er und viele Rad-Tour­er sitzen let­ztlich auf dem gle­ichen Bock, haben aber unter­schiedliche Ziele.

So hat Rad­fahren mit dem Grav­el Bike Spannbre­ite: Ren­nrad­sport – Cyclo Cross – Grav­el Race – Bike Pack­ing — Rad Touris­tik — World Trav­el­ing. Und Leute: ich habe noch gar nicht mit den Moun­tain­bik­ern ange­fan­gen. Die hät­ten hier auch noch einiges zu sagen. Das vielle­icht später ein­mal.

Und damit sind wir bei der wichtig­sten Unter­schei­dung: es ist vol­lkom­men „piepen­hagen“ (egal), aufs Mate­r­i­al zu schauen und zu sagen: guck – Grav­el­bik­er. Es geht vielmehr darum, warum wir was tun.

Denn hier tre­f­fen sich Gle­ich­gesin­nte, die auf Basis ihrer Erfahrun­gen Fahrrad­kom­po­nen­ten und Zube­hör auswählen, was zu ihrer per­sön­lichen Idee des Rad­fahrens am besten geeignet ist. Nicht das Mate­r­i­al sagt mir wer und was ich bin, son­dern umgekehrt. Ich sage dem Mate­r­i­al wie es für mich zu sein hat.

Am Ende geht es – wie immer – nur um das Eine: Spaß auf dem Bike.

Mit diesem Wis­sen möchte ich auch gle­ich den ganzen Kri­tik­ern die Laut­stärke abdrehen, die da behaupten: Grav­el ist die neue Sau, die die Indus­trie durchs Dorf treibt um mit alten Sock­en neues Geld zu machen.

„Mit Nicht­en…“ sage ich da nur. Grav­el, wie es sich mir offen­bart, ist die Über­win­dung fes­ter Klis­chees. Auch wenn der ein oder andere gerne eine Abgren­zung hätte, es ist für mich eine Erweiterung mein­er per­sön­lichen Frei­heit.

Für mich ist Grav­el der Grund, warum ich wieder aufs Rad gestiegen bin: keine räum­lichen und „ide­ol­o­gis­chen“ Gren­zen, son­dern Bewe­gung, Sport und Kon­takt.