Foto: WTB

Was soll der Hype um Gravel-Bikes?

In meinem Fre­un­deskreis fragt man mich immer öfter, was ich von Grav­el-Bikes halte. Einige mein­er Leute sehen sie als rev­o­lu­tionäre Erfind­ung, andere sind der Mei­n­ung, dass die Räder mit allen ver­füg­baren Mar­ket­ing-Tricks kün­stlich zum Trend aufge­baut wer­den. Und was finde ich? Brauche ich ein Grav­el-Bike, weil es irgend­was kann, das andere Fahrräder nicht kön­nen?

In der The­o­rie kam ich da nicht weit, also musste ein Grav­el-Bike her. Ich stellte meins mit Kom­po­nen­ten der amerikanis­chen Tra­di­tion­s­marke „Wilder­ness Trail Bikes“ (WTB) zusam­men. Die USA sind schon lange offen­er für die Grav­el-Szene und bieten daher bere­its ein sehr bre­ites Sor­ti­ment an. Auch in Deutsch­land gibt es Sät­tel, Reifen und Fel­gen von WTB, die speziell für den Grav­el-Bike-Markt entwick­elt wur­den.

Vor kurzem haben wir ein Fahrzeit-Grav­el­bike aufge­baut, das nur mit fein­sten Teilen aus­ges­tat­tet ist.

Pro­duk­te speziell für Grav­el-Bikes? Muss das sein? Das mag vielle­icht ver­wun­dern, aber die Grav­el-Szene gibt es nicht erst seit gestern.

Es find­en viele Grav­el-Events statt, bei denen die Fahrer sich schon seit teil­weise über zehn Jahren Ren­nen über weite Streck­en liefern. Die bekan­ntesten Ver­anstal­tun­gen sind zum Beispiel das „Dirty Kan­za“ in Kansas, der „Canyon Bel­gian Waf­fle Ride“ in Kali­fornien, das Grinduro (mit­tler­weile in Japan, Kana­da und Eng­land vertreten) oder in Deutsch­land das Votec Grav­el Fon­do und das Bohemi­an Bor­der Bash.

WTB ist absoluter Experte in Sachen Grav­el-Berei­fung

Sie alle haben gemein­sam, dass die Streck­en über unter­schiedliche Unter­gründe führen und dass die Teil­nehmer ihre Ren­nen fahren und dabei aber so entspan­nt es geht die Land­schaft genießen

Und genau das ist ja der Vorteil: Sowohl auf Schot­ter als auch auf rauem Boden und anderen Gelände-Her­aus­forderun­gen bieten Grav­el-Bikes einen gewis­sen Kom­fort. Bikepack­ing, Ren­nen, Freizeitradeln: Das Grav­el-Bike funk­tion­iert auf aus­ge­baut­en Straßen, Wald­we­gen, Kieswe­gen und Gras. Es verträgt Wurzeln, Steine, Staub und Sand.

Das kann mein Gravel-Bike

Was ist mir wichtig bei ein­er Tour? In erster Lin­ie habe ich keine Lust auf Pan­nen oder son­stige Prob­leme. Geschwindigkeit und Genuss sind ange­sagt. Ich will flott vorankom­men und trotz­dem bequem sitzen. Es ist also klar, welche drei Ele­mente am wichtig­sten sind: Laufräder, Lenker und Sat­tel.

Hier bedi­enen sich Grav­el-Bikes bei ver­wandten Fahrrad­kat­e­gorien. Der bre­ite Reifen – wie beim Moun­tain­bike – sorgt für Sicher­heit auf jedem Unter­grund. Meine schlauchlose Vari­ante rollt noch schneller und Dicht­milch im Reifen ver­hin­dert Pan­nen. Außer­dem sor­gen Scheiben­brem­sen für meine Sicher­heit.

Je bre­it­er der Reifen, desto sicher­er die Fahrt.

Der Grav­el-Bike-Lenker ist dem Ren­nrad ent­nom­men, denn in dieser Griff­po­si­tion bin ich ein­fach wind­schnit­tiger und schneller. Trotz­dem sitze ich auf meinem Grav­el-Bike etwas aufrechter als auf dem Ren­nrad und kann ab und zu die Arme ent­las­ten.

Mehr Kom­fort bietet das Rad durch einen gefed­erten Lenker und Sat­tel­stützen, einen größeren Achsab­stand, einen flachen Lenkwinkel und einen tiefen Schw­er­punkt. Anders als mein Moun­tain­bike oder mein Ren­nrad ist das Grav­el-Bike auch im Straßen­verkehr tauglich. Meins hat sog­ar Gepäck­träger und Schutzblech.

Ein Grav­el-Lenker ist sportlich aber kom­fort­a­bel.

Taschen und Getränke­hal­ter kon­nte ich prob­lem­los am Gestell anbrin­gen. Mein Grav­el-Bike ist ein robustes, schnelles und bequemes All­t­agsrad, mit dem ich auch auf Touren in unkalkulier­barem Gelände gut ver­sorgt bin. Trotz­dem ist klar: Wenn ich ein reines Ren­nen fahren möchte, dann ist das spezial­isierte Ren­nrad im Vorteil.

Wenn ich gemütlich eine Fahrrad­tour machen will, dann ist das super­be­queme Freizeitrad mit aufrechter Sitz­po­si­tion bess­er. Wenn ich im Gelände Leis­tung brin­gen will – mit Sprün­gen und extremem Gelände, dann fahre ich mit dem voll­gefed­erten Moun­tain­bike bess­er. Aber das Grav­el-Bike schließt genau diese Lücke.

Brauche ich ein Gravel-Bike?

Mein Grav­el-Bike macht jede Tour mit. Es ist ein all­t­agstauglich­es Sport­gerät für alle Fälle. Es ist schnell, bequem, sich­er auf allen Unter­grün­den, verkehrstauglich und bietet Platz für Taschen, in denen ich Stau­raum habe.

Gepäck am Fahrrad? Kein Prob­lem!

Es ist ein biss­chen wie mit ein­er Gleit­sicht­brille: Du willst nah und fern sehen kön­nen, ohne die Brille zu wech­seln, musst dabei aber darauf acht­en, dass du durch den richti­gen Teil des Glases schaust, son­st funk­tion­iert es nicht. Das Grav­el-Bike vere­int auch mehrere Ansprüche.

Ich kann sich­er im Gelände fahren, genau wie im Straßen­verkehr. Ich kann sportlich unter­wegs sein, oder gemütliche Touren fahren. Allerd­ings gibt es in allen Bere­ichen kleinere Abstriche gegenüber der spezial­isierten Rad-Vari­ante. Dafür habe ich das Beste aus allen Kat­e­gorien in einem Bike vere­int.

Im Prinzip ist das Grav­el-Bike also für jeden geeignet, der oft sportlich mit dem Rad unter­wegs ist und auch seinen Urlaub gerne im Sat­tel ver­bringt. Tage­saus­flug, Bikepack­ing-Tour, Weg zur Arbeit, Radren­nen, Wald­fahrt zum Chillen, Berg­tour: Das Grav­el-Bike kann ich so aus­rüsten, dass es nicht nur Gefährt, son­dern auch Gefährte auf allen Wegen ist.

Egal was man mit seinem Grav­el-Bike macht, Haupt­sache, man hat Spaß dabei.

Dadurch unter­schei­det es sich deut­lich von Moun­tain­bikes, Ren­nrädern oder Touren­rädern, die nur jew­eils für einen Zweck kon­stru­iert und aus­gerüstet sind. Die Möglichkeit, das Rad gle­ichzeit­ig als Train­ings­gerät, Touren­part­ner und verkehrstauglich­es Freizeit­fahrzeug für jeden Tag zu konzip­ieren, finde ich reizvoll und prak­tisch.

Ich brauche das Grav­el-Rad nicht, um ein Ren­nen zu fahren, um ins Gelände zu gehen, oder um eine Freizeit­tour zu machen. Ich brauche es, um nicht ständig das Rad wech­seln zu müssen. Mir gefällt das.

Brauche ich ein Gravel-Bike?

Neue Ideen tun sich schw­er auf dem europäis­chen Markt. Und so ist es nicht ver­wun­der­lich, dass der Chor der Kri­tik­er den Zeigefin­ger hebt und vor rein­er Geld­macherei warnt. Ob diese Kri­tik berechtigt ist, musst du selb­st entschei­den und vor allem selb­st aus­pro­bieren.

Nur im direk­ten Ver­gle­ich mit deinem Ren­nrad, deinem Touren­rad oder deinem Moun­tain­bike kannst du eine per­sön­liche Entschei­dung tre­f­fen. Ange­bote für Grav­el-Bikes gibt es jeden­falls inzwis­chen von fast jedem Her­steller auf dem Markt. Sie unter­schei­den sich in den Rah­men­ma­te­ri­alien, den Län­gen­ver­hält­nis­sen und Winkeln, den Reifen, und dem Zube­hör.

Jed­er Anbi­eter definiert die Kat­e­gorie „Grav­el“ da zwar anders, einige mod­i­fizieren nur ihre Cyclocross-Räder, Ren­nräder oder ähn­liche Mod­elle, aber grund­sät­zlich tre­f­fen sich alle beim Kern der Sache: schnell und bequem auf allen Unter­grün­den unter­wegs zu sein.

Für die einen ist das Grav­el-Bike ein über­flüs­siger Hype, für die anderen ist es eine geniale Entwick­lung, die per­fekt zu ihrem Freizeitver­hal­ten passt und viele Fahrrad­prob­leme löst. Jed­er so, wie er mag. Ich finde, das Grav­el-Bike schließt eine große Lücke und hat seine Fans abso­lut ver­di­ent.