tubeless umrüsten

Keine Angst vor Tubeless! Umrüsten leicht gemacht.

Ich fahr’ kein Tube­less, mit Schlauch ist doch viel sicher­er“ – solche und viele weit­ere Sätze habe ich nicht nur oft gehört, son­dern auch sehr lange selb­st von mir gegeben. Dann habe ich mein let­ztes Bike zum ersten Mal selb­st auf Tube­less umgerüstet und musste beschämt zugeben, dass ich bis dahin ziem­lichen Mist von mir gegeben habe.

Text: Jana Zori­cic / Fotos: Sebas­t­ian Beilmann

Und damit ihr nicht den gle­ichen Fehler macht wie ich, habe ich es mir zu Auf­gabe gemacht, die ein­fach­ste Tube­less-Anleitung wie nur möglich zu schreiben, damit auch der let­zte Schlauch-Jünger seine Zweifel links liegen lässt.

Warum Tubeless?

Das all­ge­meine Gerücht, dass Tube­less nicht so zuver­läs­sig ist wie der kon­ven­tionelle Schlauch, hält sich weit­er hart­näck­ig – dabei ist eigentlich genau das Gegen­teil der Fall!

Tube­less-Milch dichtet kleinere Schä­den automa­tisch ab, die einen Schlauch schon längst das Leben gekostet hät­ten. Von Snakebites ganz zu schweigen. Das liegt daran, dass diese Flüs­sigkeit auf Latex-Basis mit der Luft, die entwe­icht, reagiert und trock­net – und schon ist das Loch dicht.

Im Stan’s NoTubes Race Sealant befind­en sich sog­ar zusät­zlich große Latex-Kristalle, die auch größere Löch­er prob­lem­los stopfen. Grund­sät­zlich gilt also: mehr Pan­nen­schutz, nicht weniger!

Man kann darüber hin­aus deut­lich weniger Luft­druck bei gle­ich­er Per­for­mance fahren, was für mehr Trak­tion und so mehr Sicher­heit sorgt. Darüber hin­aus spart man natür­lich das Gewicht vom Schlauch. Noch Fragen?

Stan’s NoTubes Umrüstkit

Stan’s macht das Umrüsten beson­ders leicht: mit dem Umrüstk­it hat man sofort alles, was man braucht – nicht mehr und nicht weniger. Das Kit beste­ht aus Tube­less-Ven­tilen (das nor­male Kit kommt mit sil­ber­nen Ven­tilen, aber dazu später mehr), Fel­gen­band und zwei 60 ml Fläschchen Tube­less-Milch. Der Preis liegt bei 24,95 € UVP .

Die blauen Ven­tile sind den üblichen gewichen, weil sie bess­er zum Fahrrad passten – das erwies sich aber als nicht so schlaue Entscheidung.

Wer jet­zt anmerken möchte, dass diese Fläschchen unnötige Umweltver­schmutzung sind, kann beruhigt sein: sie sind gle­ichzeit­ig Dosier­hil­fe, die man immer wieder ver­wen­den kann.

Was das Fel­gen­band ange­ht, unbe­d­ingt auf die Bre­ite dein­er Felge acht­en. Das Fel­gen­band sollte immer 2 – 4 mm bre­it­er sein, als die Innen­bre­ite der Felge. Diese Ren­nrad­felge hat eine Innen­bre­ite von 17 mm, also haben wir 21 mm bre­ites Fel­gen­band gewählt.

Schritt 1: Reifen & Felgen prüfen

Die meis­ten Laufräder heutzu­tage sind schon „tube­less-ready“, das bedeutet, dass die Fel­gen dafür geeignet sind, schlauch­los gefahren zu wer­den. Oft ist auch schon das Fel­gen­band fer­tig gek­lebt – das sollte man aber vorher überprüfen.

Wenn du so einen Aufk­le­ber auf deinem Fahrrad find­est, bist du bere­it zum starten. Wenn nicht, kannst du dich auch bei dem jew­eili­gen Fel­gen­her­steller informieren.

Schau auf deinen Reifen und Fel­gen nach, ob du dort die Beschrif­tung „tube­less-ready“ oder „geeignet für Tube­less“ find­est. Auch wenn alle mod­er­nen Fel­gen schon tube­less-ready sind, ist es wichtig, trotz­dem zu check­en, ob dein Mate­r­i­al zum Umrüsten geeignet ist. Das­selbe gilt für Reifen, auch diesen soll­test du auf “Tubeless”-Markierungen untersuchen.

Denn son­st wird dein Laufrad trotz aller Mühe nicht dicht – und so wird aus Begeis­terung ganz schnell Frust. Wenn dein Laufrad startk­lar ist, nimm den Reifen voll­ständig aus der Felge, damit du losle­gen kannst.

Schritt 2: Felgenband kleben

Dieser Schritt kann beim ersten Umrüsten der schwierig­ste sein – deswe­gen soll­test du dich nicht scheuen, dir helfen zu lassen. Aber mit ein biss­chen Geschick kriegst du das auch alleine hin.

Set­ze das Band ca. 30 cm vor dem Ven­til an. Klebe es ein Stückchen fest und ziehe das Fel­gen­band so fest du kannst auf die Felge – achte dabei darauf, dass das Band keine Bläschen wirft. Lass dir also Zeit. Wenn du einen Zen­tri­er­stän­der zur Hand hast, kannst du diesen auch als Mon­tier­hil­fe benutzen.

Feste ziehen und gle­ichzeit­ig gle­ich­mäßig aufk­leben – das ist beim ersten Mal gar nicht so einfach.

So bek­leb­st du deine Felge run­dum, bis sich das Fel­gen­band wieder ca. 30 cm über­lappt. Abschnei­den, fer­tig! Der Rest ist ein Kinderspiel.

Schritt 2: Ven­til montieren

Da wir das Ven­til­loch-überklebt haben, aber keinen Platz für irgendwelche Luftlöch­er lassen wollen, müssen wir es vor­sichtig durch­stechen. Dafür eignet sich eine Nadel oder ein ganz dün­ner Inbuss­chlüs­sel, den man in die Mitte sticht und das Loch vor­sichtig vergrößtert.

So gibt es keine Risse im Fel­gen­band und die Ven­tile hal­ten dicht. Anders als beim Schlauch muss man diese Ven­tile von Beginn an so fest wie möglich mon­tieren, damit sie dichthal­ten. Dafür ist das Ven­til mit einem weichen Gum­mis­tutzen aus­ges­tat­tet, der sich so eng wie möglich an die Felge drückt.

So ist das Ven­til auf jeden Fall dicht.
Wie du siehst, ist dieses schöne Ven­til eigentlich zu kurz für die hohe Felge, also haben wir impro­visiert – deswe­gen informiere dich vorher über die richtige Ven­til­länge, um solche Basteleien zu vermeiden.

Schritt 3: Reifen aufziehen & aufpumpen

Richtig gele­sen, erst den Reifen aufziehen, bevor es an die Milch geht. So ist die Felge bere­its “in die Flanke gesprun­gen” und man muss nur noch die Milch ein­füllen, um das Sys­tem abzudichten.

tubeless umrüsten
Erst die Arbeit, dann das Vergnü­gen – bevor die Milch rein kommt, muss der Reifen erst­mal auf die Felge.

Am besten eignet sich dafür ein Kom­pres­sor oder eine Tube­less-Pumpe, wie hier die Lezyne Dig­i­tal Pres­sure Over Dri­ve. Denn der Reifen braucht eine gewisse Kom­pres­sion, um in die Fel­gen-Flanke gedrückt zu wer­den. Das wirst du merken, wenn der Reifen beim auf­pumpen ein lautes “Plopp” macht – keine Sorge, nichts ist kaputt, son­dern du hast alles richtig gemacht. Jet­zt den Reifen mit etwas mehr Luft auf­pumpen, damit der Reifen sich voll­ständig set­zen kann. (max­i­malen Reifendruck auf dem Reifen checken)

Am besten springt der Reifen in die Felge, wenn man einen Kom­pres­sor oder eine Tube­less-Pumpe benutzt.

Sollte das nicht sofort klap­pen, kannst du etwas Seifen­lauge auf die Reifen­flanke stre­ichen, um den Reifen bess­er “flutschen” zu lassen.

Schritt 5: Tubeless Milch einfüllen

Jet­zt kommt endlich der Haupt­darsteller dieser Sto­ry zum Ein­satz. Doch wie soll die Tube­less-Milch jet­zt in den Reifen rein? Ganz ein­fach: durchs Ven­til. Zunächst lässt du die Luft, mit der du den Reifen auf die Felge bekom­men hast, wieder raus. Dann schraub­st du den Ven­tilk­ern raus.

Der Core-Remover ist ein prak­tis­ches Tool, eine nor­male Flach­spitz­zange tut es aber auch. Die Zange an der Kante des Ven­tilskerns anset­zen und vor­sichtig aufdrehen.

Der Core-Remover ist ziem­lich prak­tisch, aber nicht im Umrüst-Kit enthal­ten. Du kannst stattdessen ein­fach eine Flach­spitz­zange nehmen und den Ven­tilk­ern vor­sichtig her­aus­drehen. Übrig bleibt ein großes Loch, in das die Dosier­spitze der Tube­less-Fläschchen genau rein passt.

Ven­til etwas schräg hal­ten, Dosier­spitze anset­zen und Milch ins Ven­til drück­en. Gut schüt­teln nicht vergessen!

Ent­ferne das Siegel, schüt­tel die Milch gut durch und nimm das rote Käp­pchen von der Dosier­spitze. Halte das Ven­til leicht schräg, damit die Milch in den Reifen ablaufen kann. Ist das Fläschchen leer, halte es gedrückt, damit kein Unter­druck die Milch wieder in die Flasche saugt (Sauerei und so!).

Schritt 3: Wieder aufpumpen & Tubeless Milch verteilen

Jet­zt kannst du den Reifen mit Milch wieder auf­pumpen und abdicht­en. Genau wie beim ersten Mal erst­mal etwas mehr Luft rein­pumpen, als du nor­maler­weise fahren würdest, damit der Reifen sich set­zen kann.

Damit dein Reifen dicht wird (und bleibt!) muss sich die Milch im ganzen Reifen verteilen. Dafür drehst und schüt­telst du den Reifen solang hin und her, bis du dir sich­er sein kannst, dass jede Ecke erre­icht wurde.

So gehst du auf Num­mer sich­er: Halte das Rad zuerst hor­i­zon­tal und drehe es in kurzen Bewe­gun­gen hin und her. Prelle das Rad anschließend vor­sichtig auf dem Boden um die Dicht­milch im Inneren des Reifens zu verteilen. Drehe das Rad bei bei­den Bewe­gun­gen jew­eils ein paar Grad weit­er. Wieder­hole den Vor­gang, bis du das Rad ein­mal ganz gedreht hast.

Durchgeschüt­telt, fertig!

Jet­zt kannst du dein Laufrad wieder ein­bauen, das näch­ste nehmen und glück­lich bis ans Ende dein­er Tage Fahrrad fahren. Oder so ähnlich.

Dein Start ins Tubeless-Business

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