Herr Gondelführer, einmal Everest bitte!“ – Anti-Everesting Teil 2

Text: Gun­nar Fehlau // Fotos: Rudi Wyh­li­dal

Aktueller Stand: 4715 Tiefen­meter (Air­time mit ein­gerech­net) // Foto: Rudi Wyh­li­dal

Wir haben 4.715 Tiefen­meter zusam­men und bis 12:30 Uhr müssen wir die restlichen 4.133 Tiefen­meter zusam­men­sam­meln, um unser Ever­est­ing erfol­gre­ich gemeis­tert zu haben.

Das bedeutet wir müssen über 1.000 Tiefen­meter je Stunde abreißen und zwar inklu­sive Gondel, Pausen, etwaigen Pan­nen und anderen „Über­raschun­gen“, Kurz gesagt: Wir haben keine Zeit zu ver­lieren! Auch bei diesem Text nicht, also geht es direkt los:

Samstag, 8:39 Uhr, 4.879 Tiefenmeter: erste Abfahrt

Wir starten, wie wir gestern starteten: Mit der Gig­gi­jochbahn hoch zur Harbe-Line. Passt ja auch ganz gut, denn Harbe heißt im Ötz­taler Dialekt soviel wie „immer und immer wieder“.

Was heute anders ist: Schon der erste Anlieger wird direkt zum Ham­mer. Boah, wie kon­nte ich hier gestern so oft so schnell durch­don­nern, frage ich mich. Jet­zt schaffe ich es kaum, auf dem Rad zu bleiben! Der Ver­such, einen Fahrstil zu find­en, bei dem wed­er Arme noch Beine schmerzen, ist voll­ständig aus­sicht­s­los.

Am zweit­en Tag muss Gun­nar hart kämpfen, um mit seinen Söh­nen mitzuhal­ten. // Foto: Rudi Wyh­li­dal

Gestern hat­te ich hier Fahrtwindträ­nen in den Augen, jet­zt sind es Schmerzperlen. Das Lak­tat des Vortags hat über Nacht zwis­chen meinem Anspruch und meinen Möglichkeit­en eine tiefe Furche geschla­gen. Und jede Kehre häm­mert sie weit­er aus! I

n diesem Zus­tand und Tem­po bin ich eine Bremse für meine Söhne, die Meter und Meter davon­ja­gen. Gestern waren die Gondelfahrten für mich Zeiträu­ber, jet­zt wer­den sie Zuflucht­sorte zur Erhol­ung.

Samstag 8:41 Uhr, 4.920 Tiefenmeter: Wärme hilft

In jed­er Kurve muss ich die Bal­ance aus Schmerz und Tem­po neu aushan­deln. Die Pein der Langstrecke ist mir durch Trond­heim-Oslo, Bike­TransAlp und viele Bikepack­ing-Ren­nen dur­chaus ver­traut.

Ihre Schwingun­gen kann ich wegat­men. Aber diese Nadel­stiche, die jed­er Anlieger, jede Kurve, jede Brem­srille und all ihre rumpeli­gen Kom­pagnons in der Bik­ere­pub­lic Sölden mir set­zen, ste­he ich hil­f­los gegenüber. Der jün­geren Gen­er­a­tion geht es anders.

So langsam wird dieses Unter­fan­gen sehr anstren­gend. // Foto: Rudi Wyh­li­dal

Sie ballert tal­wärts und zeigt sich unbeein­druckt vom Vortag und Trail. Zwis­chen­zeitlich ist die Sonne über den hin­teren Söldenko­gel gestiegen und wärmt Men­sch und Line-Hang auf. Das hil­ft mir spür­bar, meine Schmerzen beim Fahren einzudäm­men.

Heute ist der untere Teil der Let­tn-Line wieder für Bik­er freigegeben. Wir sparen einige Minuten Fahrzeit und eine steinige Sin­gle­track-Sek­tion.

Samstag : Stimmung steigt, Chance auch!

Sam­stag Mor­gens ist auf den Lines noch wenig los. Keine Staus vor der Gondel oder an kri­tis­chen Sek­tio­nen. Wir spulen immer schnellere Durch­läufe ab: Nach ein­er 47 Minuten Auf­tak­tzeit für 935 Tiefen­meter und Gondelfahrt, fol­gt eine 43er-Kom­bi, im drit­ten Durch­lauf leg­en wir schließlich sog­ar eine 42er-Zeit hin und ern­ten Schmun­zeln vom Per­son­al an der Tal­sta­tion.

Nur noch eine Stunde, Zeit für den Tur­bo­modus! // Foto: Rudi Wyh­li­dal

Als wir zur let­zten Auf­fahrt starten, meint Moritz zum Boden­per­son­al an der Gondel: „Herr Gondelführer, ein­mal Ever­est bitte!“ Nach einem Lach­er erk­lären wir unser Pro­jekt und steigen ein. „Wir haben ab jet­zt noch fast 60 Minuten.“, meine ich zu Moritz und Oskar. „Wenn kein­er stürzt, haben wir den Ever­est im Sack“, stellt Oskar fest.

Letzte Etappe: Triumphfahrt gen 8848 Meter-Marke

Wir schauen auf unsere Lezyne-GPS-Geräte … die Tiefen­meterangaben weichen leicht ab. „Wenn du die Anlieger höher anfährst, sam­melst halt ein paar Extra-Tiefen­meter“, analysiert Moritz, während Oskar zur Vor­sicht mah­nt: „Noch haben wir unseren Mount Ever­est nicht zusam­men“.

Die Höhen­lage in den Kur­ven bee­in­flusst auch die Tiefen­meter! // Foto: Rudi Wyh­li­dal

Wir lassen die Vor­sicht ans Lenkrad und steuern betont auf Sicher­heit und gemein­sam tal­wärts. Wech­seln von Harbe- auf die Gahe-Line und schauen dabei immer wieder aufs Lezyne-Gerät.

Die 8.800 Marke fällt kurz nach­dem wir das Wellen­paradies am Hang unter dem „Sonnblick“ hin­ter uns lassen. 8.810, 8.820, 8.830 … ich greife zum Bremshebel und schreie „Gipfel“. Um 12:05 Uhr nach 23:36 Stun­den haben wir unsere 8.848 Tiefen­meter zusam­men! Geschafft, wenn auch deut­lich knap­per als gedacht!

23:36 Stun­den für 8488 Tiefen­meter! // Foto: Rudi Wyh­li­dal

1 von 3 Arbeitsgeräten

Das Bike macht min­destens genau­so viel aus wie der Fahrer, wenn man über 8000 Tiefen­meter bezwin­gen will!

Ein Mon­drak­er Foxy mit Rock­Shox Fahrw­erk und SRAM Eagle AXS Antrieb // Foto: Rudi Wyh­li­dal
Die SRAM AXS hat her­vor­ra­gende Arbeit geleis­tet. // Foto: Rudi Wyh­li­dal
Tru­va­tiv Descen­dant Cock­pit, SRAM G2 Brem­sen und Lezyne Mega XL – per­fek­te Kom­bi! Foto: Rudi Wyh­li­dal
Auch das Zube­hör darf man nicht ignori­eren! Foto: Rudi Wyh­li­dal

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