Aostatal
Foto: Sebastian Beilmann

Im Aostatal ist (fast) niemand, außer uns

Zeit zum Fahren...rund um den Mont Blanc

Text: Jana Zori­cic / Fotos: Sebas­t­ian Beil­mann, Jana Zori­cic

In unser­er Rubrik “Zeit zum Fahren” doku­men­tieren wir aller­hand Aus­flüge mit dem Fahrrad, ob ereignis­re­ich oder nicht. Die Fahrzeit zählt! Und vielle­icht ent­deckt ihr dabei noch einen Ort, den ihr selb­st befahren wollt. Heute: Das Aostatal – der autonome, nord­west­lich­ste Zipfel Ital­iens mit dem Mont Blanc als Zen­trum.

Für intro­vertierte, ruhe­liebende Men­schen wie mich und meinen Part­ner ein Fleckchen zu find­en, wo wir nicht nur so wenig Men­schen wie möglich antr­e­f­fen son­dern dort auch noch spaßige Trails fahren kön­nen, ist gar nicht so ein­fach. Klingt nach einem Luxu­s­prob­lem? Ist es auch.

Aber Urlaub ist nun­mal Urlaub und Erhol­ung bedeutet für uns, uns mit so wenig sozialen Inter­ak­tio­nen wie möglich rum­pla­gen zu müssen. Zur Auswahl stand Stran­durlaub in Kroa­t­ien und biken im Aostatal. Angesichts der Tat­sache, dass in den nördlichen Bun­deslän­dern schon Ferien waren, entsch­ieden wir uns für das Aostatal. Es stand also biken auf dem Plan.

Aostatal
Das Aostatal ist eine autonome Region im Nord­west­en von Ital­ien. Das Tal ist zweis­prachig, (Franzö­sisch und Ital­ienisch) und Zuhause des Mont Blanc. Foto: Sebas­t­ian Beil­mann

Jed­er ken­nt den Mont Blanc aber kaum ein­er die Region(en), die sich rund um den höch­sten Berg der EU erstreck­en. In mein­er Zeit, als ich noch im Bus wohnte, ver­brachte ich viel Zeit in der Haupt­stadt des Aostatals (Aos­ta). So viel, dass ich lei­der nicht dazu kam, den Rest zu ent­deck­en. Mein Part­ner musste also hin­hal­ten, meine „Buck­etliste“ zu vol­len­den (Spoil­er: sie ist immer noch nicht fer­tig). Unter­wegs sind wir wieder mit einem Bus, der aber eine Spur neuer und schneller ist, als mein alter.

Ein Blick auf die Anzahl der Camp­ing­plätze in der Region ließ schon die Ver­mu­tung zu, dass dort immer noch der klas­sis­che Ski-Touris­mus regiert und im Som­mer nicht allzu viel los ist, trotz riesiger Trail­net­ze. Genau das Richtige für uns! Unter MTB-Insid­ern sind all diese Orte natür­lich schon ein alter Hut – aber mit dieser Hand­voll Men­schen kön­nen wir leben.

Stop 1: Aosta/Pila – Staub & Eiskrem

Stellplatz: Park­platz neben dem Kinder­spielplatz
Wet­ter: son­nig
Trails: hier

Doch bevor neue Gefilde ent­deckt wer­den woll­ten, galt es an ver­traute Orte zurück­zukehren: Aos­ta. Wer jemals durch den großen San Bernar­do Tun­nel fahren will, dem sei eins gesagt: spar dir die 45 € und nimm den Pass. Ja, der Tun­nel kostet wirk­lich 45 €, über den Pass dauert es nicht viel länger und er bietet unfass­bar schöne Aus­sicht­en.

Der San Bernar­do Pass ist nicht nur gün­stiger son­dern auch viel schön­er. Diese Gänse wohnen direkt am See auf Passhöhe. Foto: Sebas­t­ian Beil­mann

In Aos­ta gibt es das Skige­bi­et Pila, das man entwed­er direkt aus Aos­ta erre­icht oder direkt auf 1800 m Höhe fährt. Dort befind­et sich im Som­mer der Bikepark Pila sowie viele weit­ere Trails, die entwed­er bergab in die Stadt führen oder über Wan­der­wege in andere Täler. Beson­ders berühmt ist Pila für seinen Staub – den wir auch dieses Jahr abbekom­men haben.

Aostatal
Das Aostatal punk­tet mit so vie­len Aus­sicht­en, dass man sich nur schw­er auf den Trail konzen­tri­eren kann. Foto: Sebas­t­ian Beil­mann

Auch die kom­plette Abfahrt nach Aos­ta ist auf jeden Fall einen Aus­flug wert – mit Abstech­er in die Innen­stadt. Zu Gelaty, der besten Eis­diele der Welt.

Der Bikepark beste­ht haupt­säch­lich aus zwei Sorten Trails: Murmel­bah­nen mit spaßi­gen Anliegern und tech­nisch anspruchsvolle Down­hill­streck­en. Dazwis­chen gibt es nicht so viel – wobei sich da eigentlich meine Kom­fort­zone befind­et. Aber nach langer Absti­nenz von alpinem Gelände war Pila per­fekt zum Aufwär­men. Das tech­nis­che Zeug über­ließ ich Sebas­t­ian.

Wer es lieber ruhiger hat, dem emp­fiehlt es sich oben in Pila zu schlafen. Wer Großs­tadt­trubel mag, der sollte in Aos­ta bleiben und die Gondel zu den Trails nehmen.

Das schön­ste am Camp­en: Espres­so mit Aus­sicht. Bei klarem Him­mel kon­nte man sog­ar das Mat­ter­horn erspähen.

Stop 2: La Thuile – das Land der magischen Trails & Wasserfälle

Stellplatz: Camp­ing Rutor (benan­nt nach dem Gletsch­er-Wasser­fall)
Wet­ter: son­nig
Trails: hier

La Thuile ist ein­er der Orte, der schon lange auf mein­er Liste ste­ht und ich es nie hin geschafft habe. Ich erin­nere mich an ein Video von Wyn Mas­ters, wie er in La Thuile unter der Gondel einen kur­ven­re­ichen Trail den Berg hinab zirkelt.

Das war für mich Überzeu­gung genug, mir das mal anzuschauen. Diese Kur­ven habe ich nicht gefun­den, das Video auch nicht, weswe­gen ich mit­tler­weile bezweifele, ob ich den Ort in Wyns Video über­haupt richtig inter­pretiert habe.

Aostatal
Die Tat­sache, dass dieser Wasser­fall bald ver­siegt sein kön­nte, stimme uns etwas trau­rig.

Dafür haben wir viele, andere Ent­deck­un­gen in La Thuile gemacht: knack­ige Trails, traumhafte Wan­der­wege und epis­che Panora­men. Unseren „Pausen­tag“ ver­bracht­en wir mit ein­er 16 km lan­gen Wan­derung, die eigentlich nur ein Aus­flug zum Gletscher­wasser­fall sein sollte. Aber der Weg war so schön, dass wir am Ende an der Hütte unterm Gletsch­er lan­de­ten.

Beim Abstieg beschäftigten wir uns mit dem trau­ri­gen Gedanke, dass der Wasser­fall irgend­wann ver­siegt sein wird – und wir das wahrschein­lich noch erleben wer­den.

Die Trails in La Thuile erhell­ten unsere Gemüter wieder um ein vielfach­es. Kein ein­fach­es Zeug, ganz und gar nicht, aber unglaublich spaßig. Die Anzahl der schwarzen Trails über­wiegt in La Thuile deut­lich – und selb­st Sebas­t­ian war schock­iert von eini­gen Abfahrten. Kein Wun­der, dass die Fran­zosen und Ital­iener so ver­dammt schnell sind.

Stop 3: Bourg-Saint-Maurice

Stellplatz: Park­platz der (nicht mehr kaput­ten) Funic­u­laire, Camp­ing Hut­topia
Wet­ter: sehr son­nig
Trails: hier

Aostatal
Ein sel­tener Anblick: der Mont Blanc ohne Wolken.

Auch wenn die Savioe die franzö­sis­che Seite des Mont Blancs markiert und schon lange nicht mehr zum Aostatal gehört, kon­nten wir Bourg-Saint-Mau­rice nicht außer Acht lassen. Einen Pass weit­er von La Thuile befind­et sich „Les Arcs“ – was für jeden Hob­by-Ski­fahrer ein Begriff sein sollte, denn die 4 Arcs auf 4 ver­schiede­nen Höhen sind welt­berühmt.

Les Arcs ist so groß, dass man min­destens eine Woche braucht, um alles gese­hen zu haben. Man kann mit einem extrem gün­sti­gen Lift­pass (20 €!) so viele Gondeln nutzen, dass man erstens nicht weiß, wo man anfan­gen soll und zweit­ens auf­passen muss, dass man am Ende wieder Zuhause ankommt.

Sebas­t­ian ist hier schon mal das Enduro2-Ren­nen mit­ge­fahren, mir war alles kom­plett neu. Zum Glück trafen wir zwei Fre­unde (MTB-Insid­er, ich erwäh­nte es bere­its) auf dem Park­platz, die uns erk­lärten wo wir hin müssen, welche Trails sich lohnen und so weit­er. Die bei­den nah­men Sebas­t­ian auch auf eine größere Tour mit, während ich für das abendliche Grillen einkaufen ging.

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In Les Arcs waren wir so mit Rad­fahren und Staunen beschäftigt, dass nur dieses eine Foto auf dem Trail bergab ins Tal ent­stand.

Die Gondeln fahren auf schwindel­er­re­gende Höhen, die dafür sorgten, dass ich mich nur schw­er auf die Trails konzen­tri­eren kon­nte. Aber nach ein paar Akkli­ma­tisierungs-Abfahrten wurde das auch bess­er. Wow! Wir waren nur 3 Tage da, weil Sebas­tians Laufrad am drit­ten Tag so einen großen Schaden erlit­ten hat­te, dass wir unsere Bike-Pläne auf Eis leg­en mussten. In diesen 3 Tagen haben wir nur einen Bruchteil der Trails gese­hen – also müssen wir nochmal hin.

Mont Blanc oder Monte Bian­co – wir sind noch nicht fer­tig mit dir. Es gibt in dieser Region so viel zu ent­deck­en, ganz zu schweigen vom Rest der Alpen. Von uns aus Freiburg sind es nur knapp 400 km bis nach Aos­ta – da ist schon fast ein Woch­enend-Trip drin!

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Aostatal, we will be back!

Ich kön­nte jet­zt einen vor­wurfsvollen Absatz darüber schreiben, dass ja jed­er so “nach­haltig” Urlaub machen sollte, aber das ist Quatsch. Mit einem Trans­porter nur zu zweit durch die Alpen zu jagen ist alles andere als nach­haltig. Aber einen Tipp habe ich trotz­dem noch zum Ende: Manch­mal sind tolle Urlaub­sziele direkt vor der Tür. Unser näch­ster Kurzurlaub geht nach Baiers­bronn – vom Hoch- in den Nord­schwarzwald.