Paul Errington
Foto: H. David Koßmann

Ich habe gekündigt – und das nie bereut!“

Wer ist eigentlich dieser Paul Errington? Wir haben nachgefragt.

Inter­view und Text: H. David Koß­mann

Wer sich ein biss­chen für Rennlenker im Gelände inter­essiert, hat sich­er schon mal Fotos mit Paul Erring­ton gese­hen. Der Nor­denglän­der ist ein­er der umtriebig­sten Pro­tag­o­nis­ten in Europa, wenn es um The­men wie Grav­el und Bikepack­ing geht. Fahrzeit-Leser trafen ihn beim Flare-Fes­ti­val in Hei­del­berg und löcherten ihn mit Fra­gen zum Draußen­schlafen, seinem Lieblingse­quip­ment und Verpfle­gungs-Tipps. Wir stellen Paul mal ein biss­chen vor.

Wer ist Paul Erring­ton? Wo kommst Du her, wie alt bist Du?

Ich bin 40 und komme aus New­cas­tle upon Tyne. Ich bin also ganz im Nor­dosten von Eng­land aufgewach­sen, auch wenn ich über­haupt nicht so klinge.

Wann wurde Rad­fahren wichtig für Dich? Woran erin­nerst Du Dich?

Naja, wie jedes Kind hat­te ich ein Fahrrad und habe es geliebt. Mit etwa 13 oder 14 haben mein jün­ger­er Brud­er und ich die ersten Moun­tain­bikes bekom­men. Mein erstes Bike war ein Dia­mond Back „Sor­ren­to“ und das erste richtig gute ein „M300“ von Can­non­dale. Um die Zeit habe ich Leute von einem Rad­sportvere­in ken­nen­gel­ernt und bin beige­treten. Dann wurde das Rad­fahren für sich wichtig, auch als Sport. Nach einem Jahr etwa fing ich auch mit Ren­nrad­fahren an und trat einem anderen Vere­in bei. Sei­ther habe ich irgend­wie immer zwis­chen Ren­ner und MTB gewech­selt. Das Grav­el Bike verbindet bei­des richtig gut.

Wann hast Du Deine erste Bikepack­ing-Tour gemacht?

Mit 15. Aber damals hieß das natür­lich noch nicht so. Wir waren ein­fach ein paar Jungs, die mit den Bikes in den Wald fuhren und dort gecampt haben.

Wie hast Du in der Rad­branche Fuß gefasst? Was hast Du eigentlich vorher gel­ernt und gear­beit­et?

Ich arbeite etwa seit zehn Jahren mit diversen Fahrrad­fir­men zusam­men, lange Zeit auf Spon­soren-Ebene. So habe ich sehr viele Touren und Pro­jek­te mit unter­schiedlich­sten Leuten mit­gemacht. In der Fahrrad­branche wollte ich eigentlich immer arbeit­en, das war klar. Aber irgend­wann war ich halt Mitte 30 und da kon­nte ich ja nicht mehr die klas­sis­che Kar­riere von vorn starten, eine Aus­bil­dung im Rad­laden oder sowas.

Für den üblichen Weg war ich also zu alt. Ich bin studiert­er Geot­ech­nik-Inge­nieur und habe als Pro­jek­t­man­ag­er mit erneuer­bar­er Energie gear­beit­et – haupt­säch­lich off-shore, in den großen Win­dradan­la­gen in der Nord­see. Vor ein paar Jahren musste ich mich entschei­den: Wenn voll­ständig in die Fahrrad­welt wech­seln, dann jet­zt. Und da lag nichts näher als Event-Organ­i­sa­tion, denn das ist im Prinzip genau das Gle­iche, was ich als Pro­jek­t­man­ag­er auch schon getan habe.

Ich sah eine ekla­tante Lücke: Es gab kein großes Grav­el-Event in Großbri­tan­nien – und die Zeit war reif dafür. Also fing ich 2015 an, Dirty Reiv­er zu pla­nen, das zum ersten Mal 2016 stat­tfand (Anm. d. Red.: ein Langstreck­en-Event im Kield­er For­est, an der Gren­ze zwis­chen Eng­land und Schot­t­land) Das war sowas wie mein Sprung­brett: Ich bin zu meinem Chef gegan­gen, habe mit einem Jahr Frist gekündigt und das nie bereut – im Gegen­teil, ich finde super, was ich jet­zt tue.

Was genau machst Du jet­zt?

Das hat sich sei­ther schon nochmal geän­dert: Ich organ­isiere jet­zt selb­st keine Events mehr. Ich bin auss­chließlich bera­tend tätig, habe meis­tens mit Ver­anstal­tern zu tun. Nehmen wir etwa die Grinduro-Serie von Giro: In Kali­fornien find­et jet­zt das fün­fte Grinduro und in Schot­t­land das dritte statt.

Paul hil­ft bei der Koor­di­na­tion der ver­schiede­nen Grinduro-Events, deswe­gen sieht man ihn meis­tens mit einem “Grinduro”-Shirt. // Foto: Jana Zori­cic

Dieses Jahr kom­men Ableger in Kana­da und in Japan dazu. Meine Auf­gabe ist es, mit den vier Ver­anstal­tern vor Ort die Fäden in der Hand zu hal­ten. Ich sorge also dafür, dass jedes dieser Events ein echt­es Grinduro ist, dass es genau so aussieht, dass etwa diesel­ben Bestandteile vorhan­den sind.

Was macht das so span­nend?

Na, vor allem Japan ist unglaublich inter­es­sant – das wird der aufre­gend­ste Teil dieses Jahres. Da gibt es noch über­haupt keine Grav­el-Szene und auch nur einen kleinen klas­sis­chen Moun­tain­bike-Kalen­der. Dafür ist dort die Ren­nrad­szene sehr groß.

Wenn man da jet­zt mit so einem eher fortschrit­tlichen For­mat ankommt und das mit der existieren­den Rad­kul­tur vor Ort ver­schmelzen will, dann wird das sehr span­nend. Die Kul­tur des Lan­des ist sehr lebendig, das Essen ist großar­tig, der Ort, wo wir die Ver­anstal­tung stat­tfind­en lassen, ist wun­der­schön. Ich bin ges­pan­nt, was das am Ende ergibt.

Paul hat schon viele Län­der auf seinem Bike ent­deckt – sein näch­stes Ziel ist Japan. // Foto: Marc Gasch

Mit welchen Fir­men, außer Giro, arbeitest Du son­st noch enger zusam­men?

Es gibt eine Web­site namens Grav­eller Union. Das ist im Grunde ein besser­er Grav­el-Kalen­der. Wenn also jemand eine Ver­anstal­tung aus­ruft, wäre das eine zen­trale Anlauf­stelle. Außer­dem wird es da Pro­duk­ttests und Reporta­gen geben.

Du warst auf der ganzen Welt mit dem Rad unter­wegs. Wo wars denn am schön­sten?

Zuhause. Ohne Mist, ich wohne noch immer in New­cas­tle und die Trails dort sind wun­der­bar. Es ist ein biss­chen wie hier in Hei­del­berg: Die Stadt ist nicht sehr groß und man ist ein­fach schnell draußen. Ich kenne die richti­gen Läden für guten Kaf­fee, die ganzen guten Streck­en … und meine Fre­unde sind da.

Ich reise wirk­lich viel – und fast über­all, wo ich hinkomme, bin ich echt platt, wie gut man da fahren kann. Aber ich bin gern zuhause. Wobei: Neulich war ich in Nor­we­gen und das war schon krass: Ewige Dreck­pis­ten und atem­ber­aubende Aus­sicht­en. Aber auch die Flare-Grav­el-Aus­fahrt gestern war wirk­lich super: Da gab es ein paar sehr inspiri­erende Momente und Stellen. Es geht immer darum, andere zu tre­f­fen und gemein­sam etwas zu erleben, neue Leute, neue Orte ken­nen­zuler­nen.

Mehr über Paul Erring­ton und seine besten Tipps für dein näch­stes Grav­el-Aben­teuer liest du in unser­er Grav­el-Spezial-Son­der­aus­gabe.