Amsterdam Swapfiets

Swapfiets – gewinnt Vernunft gegen Statement?

Leihbike oder eigenes Bike?

Vor ein paar Tagen war ich in Ams­ter­dam. Schon eine flir­rige Stadt mit wenig Autos, denn für die ist da kein Platz, zumin­d­est im Zen­trum. Fußgänger wie ich kämpfen da dann nicht mit den Vier­rädern, son­dern mit den Fiet­sen – Swap­fi­ets um genau zu sein. Aber ist es wirk­lich die Lösung, vom eige­nen Bike auf das Leihrad mit blauem Vorder­reifen umzusteigen? Ein klein­er Gedanke­naus­flug.

Egal welchen Schritt man tut, die Devise lautet: Achtung, wo kommt die näch­ste Fietse, die einen umni­eten kann. Ich empfehle deshalb den Paris-Gang: ein­fach laufen, auf keinen Fall guck­en – dann sieht der Andere: „…der küm­mert sich um nix!“ und passt dann bess­er auf. Hat bei mir gut geklappt.

Aber ich wollte was ganz anderes: der Hang zu diesen hässlichen blauen Vorder-Reifen sprang in mein ästhetis­ches Auge. Über­all blaue Vorder­radreifen. Dahin­ter ver­steckt sich ein Start-up namens Swap­fi­ets. Die ver­mi­eten Fahrräder in ein­fach­er Ausstat­tung, für ca. 16 € pro Monat und wenn was kaputt ist, holen die es ab und repari­eren es. In Hol­land erfun­den und auch in Deutsch­land erfol­gre­ich: Berlin, Braun­schweig, Bre­men, Dres­den, Freiburg, Göt­tin­gen, Halle, Ham­burg, Han­nover, Hei­del­berg, Karl­sruhe, Kiel, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Mün­ster und Old­en­burg wer­den mit dieser blauen Vorder­radzu­mu­tung beglückt.

Swapfiets
Stadträder sind Teil des Charmes ein­er jeden Fahrrad­stadt – sieht man bald nur noch schwarze Räder mit blauen Reifen?

Ich hab’ mich da immer gefragt: warum fährt man so ein Rad? Da ist nix dran, alles so ein­fach und gle­ich und doch scheint das irgend­wie Kult zu wer­den. Warum funk­tion­iert das? Die Antwort liegt wohl im Zeit­geist-Reg­is­ter für neue Bedürfnisse: es geht um Ver­füg­barkeit. Vie­len, ger­ade jun­gen Men­schen, kommt es nicht so darauf an, etwas zu besitzen, son­dern etwas ver­füg­bar zu haben. Ein Rad ist so kein Hob­by oder Überzeu­gung oder Sta­tus, son­dern ein Mit­tel von A nach B zu kom­men. Haupt­sache ein „Karre“ ist da. Besitzen ist nicht wichtig.

Ich bin alt. Ich finde „besitzen“ irgend­wie bess­er. Wenn ich auf Malle bin, will ich lieber mein eigenes Rad, kein geliehenes. Ich mag lieber den eige­nen Zipp Laufrad­satz, als Top-Leih-Laufräder. Warum auch immer – es soll mir gehören.

Es gibt Pro­duk­te, die sind für mich nicht nur funk­tion­al, die sind emo­tion­al. Die sagen etwas über mich aus. Die machen für mich ein State­ment. Ein Stahl-Grav­el-Rah­men mit Hydraulik-Scheiben­brem­sen von SRAM zum Beispiel, geilen WTB Grav­el-Schluffen auf ein­er Grail NoTubes Alu-Felge und ein­er guten Force Schal­tung ist das, was mich glück­lich macht. Aber nicht geliehen. Ich will es auch haben, es soll mir gehören. Car­bon Rah­men, Car­bon Aero-Laufräder und elek­trische Schal­tung – auch geil, aber nicht meins.

Also Leute kauft Euch Eures, pflegt es, liebt es und fahrt es. Meins ist es, etwas reduziert­er unter­wegs zu sein.

Ach ja: und blaue Vorder­radreifen sehen ein­fach sch… aus.

Euer Stan

Pimp’ dein Stadtrad

Sram Rival Doubletap Hydraulic

Sram Rival 22 Dou­ble­tap Hydraulic

Wer später bremst ist länger schnell? Nicht mit diesem Baby. Wenn dich in der Stadt mal wieder der SUV aus dem toten Winkel über die Motorhaube heben will – dies­mal bist du schneller. Also schneller am Ste­hen.

Stan’s NoTubes Grail CB7 Team

Macht alles mit – von Bor­d­steinkante bis Matschloch im Stadt­park. Bis du die Dinger klein gekriegt hast, musst du schon dein erstes CycloCross-Ren­nen mit dein­er Stadtschlampe bestrit­ten haben. Das wollen wir sehen!