Die Frage „Wohin geht die Fahrt?“ beant­wortet der einge­fleis­chte Rad­sportler schlicht mit „Zum näch­sten Sieg!“ Dieses Ziel definiert den ide­alen Weg. Das ist ein­er­seits logisch, aber ander­er­seits auch ein biss­chen lang­weilig. Span­nend wird es, wenn man sich des Wohins voll­ständig entledigt und den Zufall entschei­den lässt. Diego hat’s aus­pro­biert und Fahrzeit mitgenom­men.

Diego rollt sein Rad über den Bahn­hofsvor­platz in Darm­stadt. Er hat keine Ahnung, wohin seine Ren­ner­aus­fahrt ihn heute brin­gen wird. Er hat kein Ziel und keinen Weg im Sinn. Alle Struk­tur ist auf Null geset­zt, denn heute entschei­det kein Touren­leit­er, keine pri­vate Verpflich­tung, kein Train­ings­plan und keine Rennstrecke über seine Route. Heute entschei­det der Zufall: In sein­er recht­en Trikot-Rück­en­tasche hat Diego einen Wür­fel. Die Idee dahin­ter ist so sim­pel wie ungewiss. An der näch­sten Kreuzung wird Diego die einzuschla­gende Fahrtrich­tung schlicht erwür­feln. Damit die Fahrt nicht am Rad scheit­ert, ist Diego mit seinem Grav­el­bike unter­wegs: Die bre­it­en Reifen und der Ein­fach-Antrieb von Sram machen das Rad gelän­degängig. Neben zweier Trink­flaschen hat er Cliff­bars, Gels und Ener­gy­blogs und Flickzeug mit. „Man weiß ja nie!“

Men­sch ärg­ere dich nicht
Goebel­straße, Ecke Rhe­in­straße: Darm­stadts geschäftiger Bahn­hof­s­platz trifft auf die Tristesse ein­er mehrspuri­gen Ein­fall­straße. Nor­maler­weise würde Diego seinen Ren­ner ger­adeaus auf die Berlin­er Allee lenken, deren bre­it­er Rad­weg ihn sich­er und schnell aus der Stadt Rich­tung der lieblichen Bergstraße führen würde. Doch heute muss er sich ohne Mur­ren dem Wür­fel fügen. Und der ergibt eine Eins. Damit geht die Fahrt linksherum weit­er in die Stadt. Der 45-Jährige wür­felt erneut: Fünf. Dies bedeutet innerorts, dass er an der fün­ften Abzwei­gung oder Kreuzung das näch­ste Mal wür­felt; außerorts stünde der Zahlen­wert für zu fahrende Kilo­me­ter, bevor an der näch­st­fol­gen­den Abzwei­gung wieder der Wür­fel entschei­det. So hat Diego sich das gestern Abend aus­gedacht. „Höch­st­strafe“, murmelt er in seinen Bart, denn statt flink Rich­tung Süden geht es links ab, um der Straße ger­adewegs ins Stadt­getüm­mel zu fol­gen.

Uno
Hätte Diego die Abzwei­gun­gen in umgekehrter Rich­tung abgezählt, wäre es west­wärts Rich­tung Griesheim gegan­gen. Die Ver­suchung ist groß. Doch Diego hat­te sich so etwas schon gedacht und dafür extra Spielka­rten gebastelt, die die Abfahrten der Kreisverkehre und Straßenkreuzun­gen den Augen­zahlen des Wür­fels zuweisen. So ist sichergestellt, dass sich sein Ver­stand nicht ad hoc einen Rich­tungswech­sler impro­visiert, um die Tour in eine gewün­schte Rich­tung zu manip­ulieren.

Schach
„Mit etwas Glück ist die Hin­den­burgstraße die fün­fte Abzwei­gung. Dann brauche ich nur ’ne Drei oder Vier, und schon geht es auf ein­er kleinen Straße stad­tauswärts“, denkt Diego lacht und schmun­zelt darüber, dass er, kaum einen Kilo­me­ter gefahren, wie ein Schachspiel­er mehrere Züge im Voraus durchzus­pie­len ver­sucht. Doch dafür ist er denkbar schlecht vor­bere­it­et: Anders als ein Tax­i­fahrer alter Schule erin­nert er sich an viele Abzwei­gun­gen oder Straßen­na­men nicht und einen Stadt­plan sein­er Heimat­stadt hat­te er zulet­zt in der Hand, als sein Handy noch eine Klappe hat­te. Auch mit seinen All­t­agser­fahrun­gen holt er hier keinen Springer, denn für Besorgun­gen, zu Fre­un­den oder zur Arbeit ist er ehe meist auf den immer gle­ichen Routen unter­wegs und die Areale abseits davon ken­nt er nicht gut genug. Er fühlt sich dem Wür­fel aus­geliefert!

Vier gewin­nt
Jahn­straße, Ecke Orangerieallee: Hier im Stadt­teil Bessun­gen ist Die­gos Ortsken­nt­nis bess­er. Das ist fatal für die Entspan­nung, denn sofort hat er wieder einen Wun­sch­abzweig – und damit ein Ziel, einen Plan, eine Vorstel­lung, was als näch­stes passieren soll. Die passende Zahl hat er auch schon parat: „Wenn ich eine Vier und anschließend eine hohe Zahl wür­fle, dann kann ich durch die Orangerie radeln und dort eine erste Pause machen!“, denkt er sich – und wür­felt prompt die Vier! Die Darm­städter Orangerie ist weit über die Stadt­gren­zen bekan­nt und ein Klein­od der Ruhe und Erhol­ung. Unser Wür­fler lässt sich auf ein­er Treppe nieder.

Hoppe, hoppe Reit­er
Klap­pach­er Straße, Ecke Mar­tin­sp­fad: Drei! Mit dem klas­sis­chen Ren­nrad wäre die Tour jet­zt wirk­lich beschw­er­lich. Es geht direkt in den Wald, erst ent­lang des Wald­kun­stp­fades und dann am Goe­thete­ich vor­bei. Hier ist das Grav­el­bike in seinem Ele­ment. Ein paar kleine Wurzeln, Sand­bänke, Steine und Schlaglöch­er steckt der ital­ienis­che Bre­itreifen­ren­ner aus Stahl gut weg und macht die Fahrt durch den Wald flowig und kom­fort­a­bel.

Reise nach Jerusalem
Auf der Mühltal­straße stellt sich endlich Ren­nrad-Flow ein. Mit 35 Sachen geht es die Land­straße ent­lang. Ren­nradler kom­men Diego ent­ge­gen, manche in sein­er Fahrtrich­tung kassiert er, ultra-fitte Triath­leten über­holen ihn, schließlich formiert sich eine kleine Gruppe. Drei Kilo­me­ter seit dem let­zten Wür­feln sind gle­ich rum, nun heißt es, an der näch­sten Abzwei­gung anzuhal­ten. Eine gute Gruppe ziehen lassen wird man nur, weil die Gruppe zu schnell ist oder der eigene Weg abbiegt. Betrübt greift Diego also in die hydraulis­chen Force-Brem­sen, denn jet­zt heißt es wieder: Wür­feln! Er ist raus und das tut weh. Nicht nur in den Beinen. Es tut fast in der Seele weh, hier von Mitte 30 auf Null abzubrem­sen. Bei ein­er nor­malen Fahrt hätte es so fein noch Kilo­me­ter mit den drei Ren­nrad­fahrern weit­erge­hen kön­nen.

Wahrheit oder Pflicht?
So mis­cht sich der Wür­fel wieder ein und ein­er Vier sei Dank geht es von der Haupt­straße ab in den Seit­en­straße. Kaum hun­dert Meter ent­fer­nt prangt bere­its wei­thin sicht­bar das Sack­gassen­schild. Sehen­den Auges radelt Diego in die Straße hinein und unverse­hens wieder hin­aus, um an gle­ich­er Stelle erneut zu wür­feln. Knapp 400 Meter Fahrt, die vorder­gründig voll­ständig sin­n­frei waren und einzig zur Ein­hal­tung der selb­staufer­legten Spiel­regeln zurück­gelegt wer­den. Doch diese Meter haben etwas mit Diego gemacht. Er rollt gemütlich dahin, wohl wis­send, dass er direkt wieder zurück­kom­men würde. Ver­stand und Seele baumeln ein wenig angesichts dieser Frei­heit: Kein Ziel, keine Gedanken. Keine Vor­gaben, kein Sinn, kein Tun. Nur Sein? Und plöt­zlich schwap­pen ganz grund­sät­zliche Fra­gen ins Bewusst­sein: Wie oft im Leben ist jed­er von uns schon sehen­den Auges in eine Sack­gasse ges­teuert? Worin beste­ht der Unter­schied zwis­chen ein­er Fahrt zu einem willkür­lichen Ziel mit anschließen­der Heim­fahrt und diesem Radeln hinein in die Sack­gasse und wieder hin­aus? Welchen Wert hat das Wohin dann über­haupt? Und lohnt es, dort möglichst schnell hinzuballern? Die Flasche kreiselt, das Exper­i­ment nimmt Fahrt auf.

Ganz anders die eigentliche Tour. Der Wür­fel hat Diego nord­west­wärts gelenkt, Rich­tung Lud­wigsturm. Schw­er zu sagen, ob die Forstwege hier noch als Straßen oder schon als Bike­lines aufz­u­fassen sind. Klar ist jeden­falls, dass die umge­fal­l­enen Bäume die Weit­er­fahrt unmöglich machen. Diego rollt und wuchtet sein Rad im Wech­sel. Sel­ten hat er sich so gefreut, wieder in der Beschaulichkeit ein­er der zahllosen Ein­fam­i­lien­haussträßchen zu sein, die ihn via Hein­rich-Delp-Straße wieder Rich­tung Darm­stadt brin­gen kön­nen. Das nötige Wür­fel­glück voraus­ge­set­zt …

Spiel es noch ein­mal, Sam
Der Nach­mit­tag neigt sich dem Ende zu, Diego hat den Wür­fel längst eingepackt und ohne sie den Heimweg angetreten.Plötzlich wieder der eigene Herr über die Streck­en­führung zu sein, hat die Fahrgeschwindigkeit und die Effizienz erhöht.Nun ist wieder alles geplant, so klar, so schnell. Jede Kurbelum­drehung fügt sich in diesen zwangsläu­fi­gen Ablauf ein. Die Sicher­heit ist wieder da. Und mit ihr die Langeweile.

Ach was soll’s, ich wür­fle nochmal!“, denkt sich Diego und stoppt. Vier. Es geht direkt ins Indus­triege­bi­et. Vor­bei an den Sexar­bei­t­erin­nen am Straßen­rand zählt Diego die Abzweige. Zwei. „Puh, ist das hier ver­ranzt!“ Die west­liche Landwehrstaße direkt an den Bah­n­gleisen ist voll­ständig charme­be­fre­it, dafür aber zugemüllt und ihr Asphalt in die Jahre gekom­men.

Diego spurt einen schnellen Gang. Links die Gleise, rechts das alte Indus­triege­bi­et jen­seits seines Zen­its. Keine Abzweige. Dafür eine Leuchtreklame „West­stadt­café“. Der Wür­fel gibt zwar den Weg vor, nicht aber die Pausen …

Bestes Teil der Aktion:

Großes Sat­teltäschchen Lezyne „Road Cad­dy XL
„Egal, mit welchem Rad ich fahr“, sagt Diego, „die Sat­teltasche ist immer dabei.“ Über wen kann man das son­st schon sagen?

Die­gos Argu­ment ist schw­er zu top­pen: „Da passt ein­fach alles rein, was mich son­st im Trikot nervt!“ Er öffnet den geräu­mi­gen Quad­er am großen Reißver­schluss und packt freimütig aus: Mul­ti­tool, Reifen­heber, Ersatzschlauch, Pumpe, Clif­Bar, und Smart­phone. Dabei seien Größe und Gewicht des Cad­dys noch genau richtig, damit im Wiegetritt nichts schlenkert. „Merk­ste gar nicht“, urteilt der Darm­städter. „Dazu ist er mit zwei Grif­f­en gelöst und ans näch­ste Rad gebracht.“ Manch­mal sind es halt die kleinen, ein­fachen Dinge, die richtig Freude machen.

Details: Sat­teltasche mit 1,5 l Vol­u­men, aus robustem, gewebten Nylon, mit reflek­tieren­dem Logo und Streifen, wird mit einem Riemen an der Stütze und mit einem reflek­tieren­den Gurt­band an den Sat­tel­streben befes­tigt, Rück­lichtschlaufe, Größe: 185 x 90 x 85 mm, Schwarz, 142 g, 29,95 €

Sagt: Diego Bario; Jahrgang 1973, Ladenin­nenaus­bauer für einen Fahrrad­her­steller in Darm­stadt


Damals und mor­gen
Beson­ders, wenn Du nicht weißt, wo Du rauskommst, soll­test Du eine potente Schutzmütze tra­gen! Der „FL-1 Pavé“ von Bern bietet hier Außergewöhn­lich­es: eine klare Rem­i­niszenz an die Sturzringe der Achtziger und trotz­dem eine eigensin­nig futur­is­tis­che Erschei­n­ung. Dieses stilis­tis­che und Sicher­heits-State­ment gibt’s in je vier Far­ben und drei Größen ab 99,95 €.

Vor­wärts immer!
Dieses Trikot sagt ganz klar, wohin die Reise geht: Nach vorn! Wer das große Z zur Schau trägt, wie hier auf de, „Team-Trikot“ von Zipp, darf dann eben auch nicht bum­meln. Kommt mit durchge­hen­dem Reißver­schluss und natür­lich mit Check­ered-Flag-Bünd­chen für präzise Bräu­nungslin­ien. 69,95 €


Zauber­trankkonzen­trat
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr – kommt irgend­wo ein Blökchen her! Aber natür­lich nur, wenn Du sie vorher eingesteckt hast …

Denn Clif Bar „Bloks“ sind Energie in rein­ster Dichte, weshalb Du die Gelee­quad­er auch nur mit viel Wass­er ver­putzen darf­st. Ein­mal Rein­haun für 2,99 €, bitte!


Die bessere Wahl
Es war über­fäl­ligst und der Grav­el-Trend macht’s möglich: Ren­nrad­fahrer dür­fen endlich ohne Spott MTB-Schuhe tra­gen! So zum Beispiel den „Riot MTB+“ von Bont: Pass­form durch Back­sohle wie immer bei Bont, geringe Bauhöhe von 4,8 mm und trotz­dem ein Pro­fil, mit dem man wirk­lich laufen kann. Welch Segen! 199,95 €


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Zulet­zt lacht …
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