Crankrock auf St. Pauli – Gee-X and the Eagle Dozen

Text: Arne Bischoff, Fotos: Sebastian Hofer

Dieser Ort riecht nach Schweiß, nach Adren­a­lin, nach pur­er Par­ty. Hier haben Leg­en­den ihre Gitar­ren zer­schla­gen. R.E.M. haben im alten Knust ihre ersten Deutsch­land­konz­erte über­haupt gespielt und Jeff Buck­ley, Hal­lelu­jah!

Auch die neue Bühne am Neuen Kamp atmet ihren Geist. Madru­ga­da, Kettcar und Bela B waren hier. Weniger wäre aber auch echt nicht angemessen für mich. In mir steckt die Tech­nik von zwei Olympiasiegen und unzäh­li­gen Weltcup-Tri­umphen. Nino Schurter ist seine per­fek­te Sai­son mit mir gefahren. Okay, nicht mit mir, eher mit meinem untergewichti­gen Band­kol­le­gen mit der crazy Vor­liebe für gold­ene Klam­ot­ten. Aber hey – dieselbe Band, dieselbe Mähne, diesel­ben zwölf Sait­en.

Jet­zt also ich. Im Ram­p­en­licht. Auf der Bühne. Mein erster großer Auftritt. Der Road­ie mit dem Bart baut mich gle­ich auf. Ready to roll! Ich bin ein­fach die beste MTB-Schal­tung auf dem Markt und ich will raus! In! Den! Dreck! Wer will sich denn bitte noch mit einem Umw­er­fer rumärg­ern? Die Jungs haben echt den Anschluss ver­passt. Sie sind langsam, sie klap­pern und ständig ste­hen sie ihren Bud­dys vom Hin­ter­rad im Weg. Außer­dem kön­nen sie ihre Ket­ten nie fes­thal­ten. Ich dage­gen: jung, schwarz, knack­ig und mit den bre­itesten Schul­tern.

Jet­zt hat der Bär­tige schon das Tret­lager fer­tig. Meine Kurbel. Oh ja – das fühlt sich gut an. Schade, dass das so schnell geht. Meine Kas­sette drauf, meine Kas­sette ist groooß, Dig­ga! Trig­ger, zack, und die Züge. Sein Werkzeug ist aus Hick­o­ry. Die Drum­sticks von Bill Berry auch. Edel. Passt zu mir.

Wusstet Ihr eigentlich, dass ich mich fünfhun­dert­prozentig spreizen kann? Das sollen die Jungs mit ihrem alber­nen Kettcar ruhig mal ver­suchen. Ich kann ver­dammt schnell ren­nen und ver­flucht steil klet­tern. Alpen oder St. Pauli.

Schade nur, dass mein Auf­takt-Gig gle­ich schon vor­bei ist. Der Bär­tige hat sich schon ein Bier geholt. Ich glaub, das will er mit dem schö­nen Holz öff­nen, wenn die Show vor­bei ist. Gut, dass wir den Set­up-Song als Zugabe vor­bere­it­et haben. Der ist per­fekt dafür, er ist kurz, er ist schnell und das Riff vom Schlus­sakko­rd ist ultra knack­ig. Klick, klick, klick. Der Rhyth­mus reißt ein­fach mit.

Bäääm. Applaus. Beruhigt Euch, Leude, das wird ne Welt­tournee.

Und wir spie­len bei­des: Unplugged und mit Strom. Jahre­lang geben wir Euch den Eagle-Sound auf die Ohren. Langsame Stücke, mächtig gestampft, und rasend schnelle auch. Wie der Teufel werd ich mich drehen, dass Euch schwindelig wird. Mir nicht. Ich bin dafür hier. Das ist alles mein Vier­tel. Und jet­zt die Bier­dusche. I love this shit.

DAS KNUST

Das Knust ist ein­er der bekan­ntesten Clubs in Ham­burg. 1976 aus dem leg­endären Ham­burg­er Jaz­zhouse (hier begann Udo Lin­den­berg) her­vorge­gan­gen, 1992 und 1993 vom SPEX als bester Live-Club Deutsch­lands aus­geze­ich­net, zog das Knust 2003 in die ehe­ma­lige Rinder­schlachthalle auf St. Pauli um. Heute find­en dort fast täglich Livekonz­erte statt. Dazu kom­men akustis­che Konz­erte auf dem Lat­ten­platz unmit­tel­bar vor dem KNUST. Wer für das nur ca. 200 Meter ent­fer­nte Millern­tor keine Ein­trittskarten mehr bekommt, kann hier die Heim­spiele des FC St. Pauli ver­fol­gen.