Rad­fahren macht Spaß. Noch mehr Freude bere­it­et es, gemein­sam unter­wegs zu sein. So denken viele und starten zusam­men als Paar oder Gruppe auf Fahrt. Wie riskant das sein kann, wis­sen Tandem­fahrer von jeher und geben die Losung „It makes or breaks rela­tion­ships“ aus: Die gemein­same Fahrt schweißt entwed­er noch enger zusam­men oder bringt die endgültige Tren­nung.

Im Sat­tel kön­nen Har­monie und Touren­freude also schnell dahin sein. Woran liegt das eigentlich genau? Die gemein­same Freude bekommt dann Risse, wenn es unter­schiedliche Erwartun­gen und Vorstel­lun­gen zur geplanten Rad­tour gibt. Gegen­sätze ziehen sich hier nicht an: Was dem einen die eigentliche Freude am Rad­fahren ist, ist dem anderen die Pein. Doch wie bringt man all dieses ohne Zwist zusam­men? Wie gelingt der gemein­same Radurlaub garantiert? Ganz ein­fach: Indem man zwar gemein­sam ver­reist, aber am Ziel möglichst getren­nte Wege geht! Warum das so wichtig ist und wie das am besten gelingt, zeigt die fahrzeit-Redak­tion anhand der vier häu­fig­sten Stre­it­punk­te.


1. Von Haupt­sachen und Neben­säch­lichkeit­en
Gel-Tütchen beim Fahren oder Gourmet-Tafel im Landgasthof? Kon­stan­ter Blick auf das Hin­ter­rad des Vor­der­manns oder Führung durch die Alt­stadt? Foto­stopp am blühen­den Raps­feld oder flüs­siges Durchrollen? Eine gelun­gene Rad­tour kann viele ver­schiedene Gesichter haben. Drum kläre Dein Motiv: Ist das Rad lediglich Vehikel, um Neues zu ent­deck­en, oder ist das Rad­fahren schon Selb­stzweck und genügt sich dem­nach selb­st? Zwis­chen diesen bei­den Extremen gibt es jede Menge Schat­tier­ungen. Fährt man alleine, mixt man das ein­fach nach Belieben und justiert unter­wegs nach. Fährt man in der Gruppe, ist das nicht so ein­fach möglich. Da hil­ft nur Reden: vor der Tour, unter­wegs und danach. Und wenn dabei her­auskommt, dass das Rad­fahren unter­schiedliche Rollen auf Reisen spielt, dann entschei­det von Neuem, ob es gemein­same Routen wirk­lich sin­nvoll sind. Unser Tipp: Gemein­sam Quarti­er nehmen und auf getren­nten Wegen zum gemein­samen Ziel fahren: „Nur-Rad­fahrer“ wählen eine fahrtop­ti­mierte Strecke, „Genuss-Radler“ gar­nieren die Route mit reich­lich Sight­see­ing-High­lights!


2. Von Auf- und Abstiegen
An Bergen mögen sich die Geis­ter nicht schei­den – sie wohnen ja stets oben –, aber Rad­fahrer sehr wohl. Die einen has­sen sie, mal wegen des Anstiegs, mal auch wegen der Abfahrten, die anderen lieben sie – aus densel­ben Grün­den! Agnz sich­er ist am Berg viel Raum für Stress in der Reiseg­ruppe. Der faule Kom­pro­miss lautet allzu oft: „Wir fahren gemütlich … und oben wird gewartet.“ Der eine fühlt sich dabei den­noch stetig gehet­zt, der andere ste­ht inner­lich immer ein wenig auf der Bremse. Und oben angekom­men, ist der Schnelle aus­geruht und dem Gemütlichen bleibt kaum Zeit zum Ver­schnaufen, bevor es weit­erge­ht! Ergo: Lasst es sein! Sucht Euch Start- und Zielpunk­te, die sich sowohl flach als auch über Hügel ans­teuern lassen. So darf sich jed­er nach dem Früh­stück auf seine Weise auf den Weg machen. Am Ziel kann man dann See­manns­garn aus Höhen­pro­filen spin­nen und der Sause am Fluss nach­spüren. Unser Favorit: Sterz­ing in Südtirol. Während die Bergziege das Penser Joch erk­limmt, ging es für den anderen durchs Tal. Das gemein­same Mit­tagessen im Park­ho­tel Lau­rin ist unvergessen.


3. Auf Dis­tanz hal­ten
Muskeln und Moti­va­tion machen den Unter­schied: Der eine möchte möglichst weit fahren, der andere ist bere­its nach deut­lich gerin­ger­er Dis­tanz zufrieden. Zwar lassen sich Muskeln trainieren und auf­bauen, doch eine Grund­hal­tung ändert sich damit nicht zwangsläu­fig. Wer fährt, um später möglichst viel auf dem Tacho ste­hen zu haben, der geht anders ran als jen­er, dessen Pen­sum klein­er aus­fällt. Auch hier führen nur getren­nte Wege zum Ziel. Wählt Stan­dorte und Ziele, die sich gut direkt verbinden lassen und gle­ichzeit­ig beliebig Bonus-Kilo­me­ter erlauben. Denkt dabei blasen­för­mig und schau­mar­tig: Baut von der kurzen Ide­allinie eine vari­ierende Anzahl von kleinen Schleifen ein. So kom­men schnell aus­re­ichend Kilo­me­ter zusam­men. Die Kür in der Vor­bere­itung sind Routen, bei denen sich alle nicht nur am Ziel tre­f­fen, son­dern (mehrfach) unter­wegs, etwa zur Mit­tagspause und zum nach­mit­täglichen Kaf­fee und Kuchen. Regio­nen wie die Bergstraße oder auch der Pfälz­er­wald sind dafür bestens geeignet.


4. Wie viel Ver­sorgung braucht der Flow?
Das Fahrrad ist ein wahres Ent­deck­er­fahrzeug. Schon Kinder lieben es, mit dem Rad „Neu­land“ zu erschließen und den eige­nen Aktion­sra­dius zu ver­größern. Die eige­nen Gren­zen aus­loten, heißt das. Oder auch „Kom­fort­zone ver­lassen“. Stets geht es darum, am Stein­bruch des Unmöglichen ein paar Brock­en „Erfahrung“ abzu­tra­gen. Und jed­er hat dabei seine eige­nen The­men und sein eigenes Tem­po. Wieder wird es gefährlich für die Har­monie auf gemein­samen Touren. Der unter­schiedliche Blick auf die Dinge birgt Kon­flik­t­poten­zial: Manch­er freut über einen fahrtech­nisch anspruchsvollen Wald­weg und nimmt diesen als willkommene Her­aus­forderung in Angriff. Andere empfind­en eine lange Pas­sage durch ein­sames Busch­land ohne geregelte Wasserver­sorgung oder sicheres Mobil­netz als tolles Aben­teuer. Die Rad­tour ist wie das Leben: Gehe (also fahre!) deinen Weg, finde dein Tem­po und erfreue dich an den Her­aus­forderun­gen, die ger­ade für dich passen. Neudeutsch heißt das Flow und funk­tion­iert nur, wenn du bei dir bleib­st! Das schließt eine gemein­same Radreise jedoch nicht aus, ver­langt bloß nach ein­er sorgfälti­gen Streck­en­führung.

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